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Filmcafé: Fatih Akin, AMRUM (2025)

Montag, 2. März 2026 um 19:00 - 21:00

Dazugehören oder nicht beziehungsweise zu welchen Bedingungen, das ist ein stetiges Thema in den Filmen von Fatih Akin. Immer wieder hat der berühmte türkisch-deutsche Regisseur die Erfahrung von Immigranten erforscht, die er selbst in Hamburg als Sohn türkischer Einwanderer erlebt hat. Auch Nanning (Jasper Billerbeck), der kleine Held seines neuesten Films, wird kurz vor Kriegsende von den Amrumer Inselbewohnern als »Festländer« beschimpft, auf gleicher Ebene mit den Geflüchteten aus Schlesien und Ostpreußen, die gerade scharenweise vor den Russen fliehen. Dass seine Familie über neun Generationen in der Inselgeschichte und der Tradition der Walfänger verwurzelt ist, interessiert da keinen.

AMRUM, in den Kinos seit Oktober 2025,  ist eine Coming-of-Age-Story, wie sie Fatih Akin schon öfters erzählt hat, zuletzt in »TSCHICK«. Es ist eine zugleich einfache und tiefgründig vielschichtige Geschichte von einem Jungen, der seiner Mutter den Wunsch nach einem Weißbrot mit Butter und Honig erfüllen will, und dafür in den Tagen um die Kapitulation keine Mühen scheut. Hier kann er ein bisschen Weizenmehl ergattern, dort von den Gänsen die Eier klauen, um sich die Dienste des Bäckers zu sichern, hier Zucker erbeuten, als Ersatz für den Bienenhonig. Die Butter, die ihm eigentlich schon sicher war, rückt jedoch in weite Ferne, weil Tessa ihn zu Unrecht für einen Spitzel hält.

Fatih Akin ungewohnt leise und behutsam, aber auch sehr präzise, ganz ohne den ungestümen Drive, der durch die meisten seiner Filme pulsiert. Das hat damit zu tun, dass er sich hier in die Kindheit seines Freundes und Mentors Hark Bohm einfühlt und zugleich die Gegenwart in Deutschland mit der erstarkenden AfD mitschwingen lässt. Die langen Einstellungen lassen dabei viel Luft für die Naturschönheit Amrums, aber auch für die Dunkelheit, die in den Häusern herrscht. »Ein Hark-Bohm-Film von Fatih Akin«, so wird »AMRUM« im Vorspann betitelt. Denn Akin hat den Freund, Mentor und Co-Autor von »AUS DEM NICHTS« und »TSCHICK« dazu angestiftet, etwas Ähnliches mit seiner Kindheit zu versuchen, wie unter anderen Steven Spielberg in »THE FABELMANS« und Alfonso Cuarón in »ROMA«: ein Fenster aufzustoßen zur Familiengeschichte. Als der 86-jährige Hark Bohm zu schwach wurde, um selbst Regie zu führen, hat Akin freundschaftlich übernommen, und letztlich wohl selbst einiges

 

Details

  • Datum: Montag, 2. März 2026
  • Zeit:
    19:00 - 21:00