Filmcafé: Vor hundert Jahren ist heute! Kleine schmutzige Briefe (2023)
Nach „Hamnet“, der Tragödie, jetzt eine rasant gespielte Filmkomödie von Thea Sharrock mit Jessie Buckley und ihrer Gegenspielerin Olivia Colman im Filmcafé.

Der Film Kleine schmutzige Briefe (Originaltitel Wicked Little Letters) basiert auf einer wahren Begebenheit: In dem kleinen irischen Küstenort Littlehampton (Spielzeit:1921) erhalten die meist frommen Einwohner regelmäßig die titelgebenden obszönen Briefe.
Kleine schmutzige Briefe von der Regisseurin entwerfen einen provinziellen Mikrokosmos, in dem durch die unerhörten Schreiben ein erschreckendes Ausmaß an Misogynie, Bigotterie und Rassismus schonungslos zu Tage treten. Christopher Diekhaus: „Frauen haben in diesem 1920er-Jahre-Setting bei Entscheidungen den Mund zu halten, müssen sich fügen, sollen brav und artig ihre Hausarbeiten verrichten und stets höflich bleiben. Männer dagegen dürften fluchen, und mit Ediths Vater hat Jonny Sweet die schlimmste Ausprägung des herrschenden Patriarchats in das Drehbuch gezeichnet. Obschon die Geschichte in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg spielt, fühlt man sich des Öfteren an unsere leider nicht nur schöne Onlinewelt erinnert: Hassrede und Slutshaming – traurige Phänomene unserer digitalen und politischen Gegenwart– sind keine neuen Erfindungen, sondern auch im durch und durch analogen frühen 20. Jahrhundert schon sehr präsent.“