{"id":3175,"date":"2021-05-02T08:20:44","date_gmt":"2021-05-02T06:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/kulturschmiede-ev.de\/?post_type=tribe_events&#038;p=3175"},"modified":"2021-05-02T08:22:27","modified_gmt":"2021-05-02T06:22:27","slug":"literaturcafe-im-kulturschmiedegarten","status":"publish","type":"tribe_events","link":"https:\/\/kulturschmiede-ev.de\/index.php\/event\/literaturcafe-im-kulturschmiedegarten\/","title":{"rendered":"Literaturcaf\u00e9 im Garten vor der Kulturschmiede &#8222;Effi Briest&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Lesefreundinnen, liebe Literaturfreunde,<\/p>\n<p>hier folgt mit allerherzlichsten Fr\u00fchlingsgr\u00fc\u00dfen die Einladung zur ersten Open Air-Sitzung des\u00a0Literaturcaf\u00e9s am Montag, dem14. Juni 2021, um 19:00h im Garten vor der Kulturschmiede. Wir gehen einfach mal davon aus, dass es uns gelingt, uns wieder einmal leibhaftig \u00fcber Sch\u00f6ne Literatur auszutauschen. Zur Feier des Sommers wurde Theodor Fontanes Roman \u201eEffi Briest\u201c, gerade eimal 126 Jahre alt, gew\u00e4hlt. Und es wieder einmal \u00fcberhaupt nicht unbedingt n\u00f6tig, dass ihr den Text (vollst\u00e4ndig) gelesen haben m\u00fcsst &#8211; Spa\u00df macht es auf jeden Fall, einzelne Kapitel herauszunehmen und daraus vorzulesen und sich \u00fcber das \u201eweite Feld\u201c \u00a0gemeinsam Gedanken zu machen.<\/p>\n<p>Mal gucken, ob das klappt!<\/p>\n<p>Zur Einstimmung (und vielleicht auch Erinnerung): Michaels Sommertheater &#8211; Effi B. in 9,5 Minuten:<\/p>\n<p><u><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tf8ifFn0w4Y\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Tf8ifFn0w4Y<\/a><\/u><\/p>\n<p>und &#8211; etwas ernster &#8211; ein paar Anmerkungen von mir zum ersten und letzten Kapitel.<\/p>\n<p>Es freut sich schon sehr auf euch<\/p>\n<p>Jens Clausen<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3176\" src=\"https:\/\/kulturschmiede-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/images.jpeg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"222\" \/> <img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3177\" src=\"https:\/\/kulturschmiede-ev.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Unknown-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"278\" \/><\/p>\n<p><strong><u>Zum ersten und letzten Kapitel von Theodor Fontanes Roman \u201eEffi Briest\u201c (1895),<\/u><\/strong>von Jens Clausen, im August 2009<\/p>\n<p>Fontanes Erz\u00e4hler der letzten 13 Jahre von Effis Leben ist zu Beginn ihrer tragischen Lebensgeschichte als junger Frau wesentlich darum bem\u00fcht, den vielleicht weniger als halbst\u00fcndigen Zeitraum eines hei\u00dfen Julitages m\u00f6glichst lange festzuhalten. Am Anfang scheint die Zeit im Garten des abgelegen in der preu\u00dfischen Provinz liegenden Elternhauses fast still zu stehen: detailliert und emblematisch <strong>beschreibt<\/strong> der Allwissende den Garten mit seinem Mittelpunkt, der Sonnenuhr, als sanften Kontrast von Licht und Schatten.<\/p>\n<p>In diese Kulisse werden zun\u00e4chst Mutter und Effi, die sie im Gespr\u00e4ch der epischen Szene als \u201eimmer Tochter der Luft\u201c charakterisiert, hineingestellt. Kein Wort f\u00e4llt \u00fcber den Br\u00e4utigam, der doch sozusagen vor der T\u00fcr steht. Die noch 16-j\u00e4hrige Effi <strong>spielt<\/strong> dann mit ihren drei gleichaltrigen Freundinnen, jede auf ihre Weise kindlich-naiv, <strong>das Rollenspiel zuk\u00fcnftiger Erwachsener<\/strong>. Effi, v\u00f6llig frei von jeglichem Schuldbewusstsein, stellt nach luftigem Schaukeln in der Mitte des einleitenden Kapitels im Kreis ihrer teils neugierigen, teils altklugen Freundinnen fest, dass die Geschlechterrollen das Schicksal ihrer Tr\u00e4ger determinieren. Hulda will davon nichts wissen, es interessiert sie die \u2013 romantische \u2013 Liebesgeschichte \u201emit Entsagung\u201c. Wirklich aber hat sie Angst, in der Entfaltung ihrer Leidenschaft sozial bestraft zu werden. Effi scheut ihr gegen\u00fcber kein Risiko. Eher beil\u00e4ufig plaudern eine relativ lange Weile die jungen M\u00e4dchen \u00fcber Effis zuk\u00fcnftigen, doppelt so alten Ehemann.<\/p>\n<p>Effi interessiert viel mehr die dramatische Inszenierung einer grotesk-absurden \u201aBeerdigung\u2019 der Schalen der von ihnen die ganze Weile \u00fcber genossenen Stachelbeeren: die M\u00e4dchen verstehen die feierliche <strong>Versenkung der \u201eSchlusen\u201c im Teich als Sinnbild der Bestrafung untreuer Ehefrauen<\/strong>, von der sie im Unterricht geh\u00f6rt hatten. Hulda stellt fest, sie \u201evergesse so was\u201c. Auch hier wieder bildet Effis Antwort, die der Erz\u00e4hler neutral, das Kapitel abschlie\u00dfend, protokolliert, den komplement\u00e4ren Kontrast: sie \u201ebehalte so was\u201c.<\/p>\n<p><strong>Im letzten Kapitel<\/strong> wird sich der Kreis schlie\u00dfen: Das, was der Leser im fiktiven \u201eJetzt\u201c des Anfangs so sommerlich-sinnlich wahrnehmen (sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen, riechen, schmecken) kann, ist nach den fatalen 13+ Jahren am Schluss des 36. Kapitels nur noch Erinnerung \u2013 der Herbst ist gekommen, es geht trotz des Sonnenscheins auf den Winter zu, die\u00a0 Sonnenuhr ist fort, und die \u2013 diesen Kommentar kann sich der Erz\u00e4hler nicht verkneifen \u2013 \u201earme Effi\u201c ist \u201eseit gestern\u201c im Gartenmittelpunkt begraben. Effis Mutter, der alte Briest und ein trauernder Hund schauen auf den \u201eHeliotropen\u201c und fragen sich, ob sie denn nun schuld seien am Tod ihrer Tochter, die nun nicht mehr \u2013 es scheint so, als sei\u2019s gerade gestern gewesen \u2013 in freien L\u00fcften schaukeln darf. Die Gesellschaft hat sie so fr\u00fch abst\u00fcrzen lassen, aus der Luft unter die Erde gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Lesefreundinnen, liebe Literaturfreunde, hier folgt mit allerherzlichsten Fr\u00fchlingsgr\u00fc\u00dfen die Einladung zur ersten Open Air-Sitzung des\u00a0Literaturcaf\u00e9s am Montag, dem14. Juni 2021, um 19:00h im Garten vor der Kulturschmiede. 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